Donnerstag, 23. November 2017

Menschen, Maße, Materialien und eine alte Feuerwache: Das Nähbloggerinnentreffen in Köln

Als ich mit dem Nähbloggen anfing hätte ich ja nie gedacht, dass ich deswegen eines Tages quer durchs Land fahren und an einem Samstag um Sieben aufstehen würde, um mit fünfzig anderen Frauen einen Tag lang Stoffproben anzuzünden. Aber genau das war das Programm am letzten Wochenende, bei Nähbloggerinnentreffen in Köln, perfekt organisiert von Brigitte (Overluck), Antje (Machen statt kaufen), Susi (Alle Wünsche werden wahr) und Bele.

Samstag war grau, aber wir waren kaum draußen

Ich reiste schon am Freitag an und traf zuerst Bele, denn wir sollten am Samstag zwei Workshops zu Stoffen und Materialien - "Stoffe nicht nur lieben, sondern kennen" - geben, und hatten das zusammen in dieser Konstellation noch nie gemacht. Wir stellten aber schnell fest, dass wir beide endlos über Stoffe reden könnten. Beim Vor-Treffen in einem Café mit denen, die schon angereist waren, schlug dann bei mir die Müdigkeit nach einer ohnehin schon sehr vollen Woche zu - und ein bißchen nervös war ich wegen der bevorstehenden Workshops auch.

Vor dem Workshop: Garne und Stoffproben liegen bereit

Bei den Workshops - die nicht zuletzt wegen der vielen, interessierten Fragen super waren - erzählte Bele über Fäden und Bindungen und welche Auswirkungen ihre Eigenschaften auf die Eigenschaften des Stoffes haben. Sie hatte einen Satz Fadenzähler besorgt, so dass die Stoffproben, die wir mitgebracht hatten, ganz genau betrachtet werden konnten. Das war der Hit im Workshop, und im Grunde braucht jeder Näh-Haushalt so ein Gerät - einfach nur, weil es großen Spaß macht. Man kann alles zwischen sehr wenig und sehr viel Geld für so einen Fadenzähler ausgeben, die Organisatorinnen hatten sich für diesen mit Beleuchtung entschieden. Außerdem gab es eine Auswahl Fäden mit unterschiedlichem Aufbau zum Anschauen und Auseinandernehmen, die Bele bei einem belgischen Garn-Spezialversand bestellt hatte, den man hier findet. Die Shopbetreiber entwickeln unter anderem spezielle Garne für Modedesigner, und was von diesen Produktionen übrig bleibt, wandert dann ich den Shop, wenn ich das richtig verstanden habe.

Stoffe muss man fühlen, nicht nur sehen

Zuletzt gings ans Zündeln, erst mit Stoffproben mit bekannter Zusammensetzung, dann kamen die unbekannten Stoffe an die Reihe. Jede Faser brennt auf eine charakteristische Weise ab, mit einem bestimmten Tempo, einem bestimmten Geruch, einer bestimmten Flamme, es bleibt unterschiedlich viel übrig - wer mein Stofflexikon "Stoff und Faden" schon angeschafft hat, hat es da bestimmt gelesen, es gibt aber auch im Internet allerlei Tabellen, wie sich die Stoffe beim Abbrennen unterscheiden.

Ein Fadenzähler gehört in jeden Haushalt

Nur lesen bringt da aber gar nichts - man muss es ausprobieren, Stoffe vergleichen, und so bekommt man langsam ein Gespür dafür, worauf man achten muss. Nehmt euch das Buch vor, und zündet erstmal ein paar Stoffe an, bei denen ihr sicher wisst, worum es sich handelt. Damit könnt ihr dann Stoffe vergleichen, bei denen ihr nur annehmt, es könnte "irgendwas mit Wolle" sein. Manchmal kommt man nicht weiter, weil verschiedene Fasermaterialien schon im verwebten Garn miteinander verarbeitet wurden und man sie nicht mehr trennen kann; auch das Unterscheiden verschiedener Kunstfasern finde ich schwierig (oder ich habe einfach noch nicht genügend Vergleichsmaterial gesammelt!) - aber ob es sich hauptsächlich um eine Naturfaser oder um Kunstfasern handelt, kann man eigentlich immer herausfinden, und auch das ist ja schon mal nützlich. Wir konnten auf diese Weise zum Beispiel feststellen, dass ein mysteriöser doppellagiger Stoff vom Fabrikverkauf bei Rene Lezard aus Naturfasern aus Zellulose bestehen muss, vermutlich Baumwolle, obwohl er durch die miteinander verklebten Schichten wie ein Funktionstextil wirkt.

Wir hatten vorab etwas Sorge, ob wir die Rauchmelder auslösen könnten - und für alle Fälle einen gefüllten Wassereimer im Raum deponiert. Glücklicherweise hatte der Veranstaltungsraum große Fenster, die sich öffnen ließen. Es wäre sehr ironisch, aber auch peinlich gewesen, in einer umgebauten Feuerwache einen Feuer-Fehlalarm auszulösen. 

Zeitgleich zu Beles und meiner Veranstaltung gab es einen Workshop zum richtigen Vermessen mit dem Maßschneider Sebastian Hoofs und seinem Assistenten Tom - die Gruppen wechselten, so dass jede jeden Workshop besuchen konnte. Das hätte mich ja auch sehr interessiert, ging aber zeitlich nun einfach nicht, aber vielleicht gibt es ja mal eine andere Gelegenheit. Sebastian gibt auch andere Kurse für Hobbynäher, übers Nähen, übers Schnitte-Anpassen, die Kölnerinnen schwärmen schon länger davon.

Etwa ein Viertel des Tauchtischs, diesmal nach Farbe sortiert

Der Abend ging mit gutem Essen im Cafe des Veranstaltungsorts zuende, und dort trafen wir uns am nächsten Morgen gleich wieder zum Frühstücken, während sich nebenan die Tauschtische füllten. Ich musste mich ehrlich gesagt etwas zusammenreißen, um nicht überall Stoffproben abzuschneiden und anzuzünden (und wenn ich nicht so müde gewesen wäre, hätte ich das vermutlich gemacht), aber immerhin konnten Claudia und ich ein senfgelbes Sherlock-Holmes-Karo als Wolle identifizieren.

Am frühen Sonntagnachmittag machte ich mich dann wieder auf, in Richtung Süden zu einem sehr kurzen Familienbesuch, und erst jetzt, wieder zuhause und etwas erholt, kann ich mich so richtig über das Wochenende freuen. Nette Gespräche, viele neue Ideen (nicht zuletzt auch Ideen für neue Bücher), wie immer zu wenig Zeit, um sich mit allen gleichermaßen ausführlich zu unterhalten, aber ich habe wieder ein paar Namen neu gelernt und kann sie Gesichtern und Blogs zuordnen. Bis zum nächsten Treffen dann!

Samstag, 28. Oktober 2017

"Es geht nicht darum, das perfekte müllfreie Leben zu führen" - Ohne Wenn und Abfall [Rezension]

Ein ganzes Buch darüber, wie man keinen Müll produziert - wie unterhaltsam kann das schon sein? Das fragte ich mich ehrlich gesagt vor der Buchpremiere von Ohne Wenn und Abfall von Milena Glimbovski. Milena Glimbovski ist, im Kreuzberger Umfeld weiß man das vermutlich sowieso, die Gründerin von "Original unverpackt", einem Supermarkt, der möglichst weitgehend auf Verpackungen verzichtet. In ihrem Buch, das sie an dem Abend vorstellte, geht es aber nur am Rande um den Laden und die Gründung, sondern es ist in erster Linie ein praktischer Ratgeber zum nachhaltigen Leben.


Das Thema Nachhaltigkeit interessiert mich auf einer Ebene, wie es vermutlich viele Menschen beschäftigt: Ich versuche, möglichst oft Bio zu kaufen, habe kein Auto und bemühe mich auch ansonsten, mich nicht als Umweltschwein zu verhalten, so gut ich eben kann. Das Selbernähen brachte mich vom Konsum der gerade modischen H&M-Fummel weg, dem ich als Studentin frönte, und bei meinem eher gemächlichen Nähtempo fange ich nur Projekte an, bei denen ich sicher bin, dass ich sie wirklich mag. Andererseits kaufe ich manchmal Stoff, von dem man nicht genau weiß, woher er eigentlich kommt, und oft einfach nur, weil er mir gefällt, ohne konkreten Bedarf. Oder ist Hobby und/oder Selbstausdruck Bedarf genug? Darf man denn noch Schönes haben, wenn man nachhaltig leben will, oder muss man sich alles Vergnügen verkneifen? Ich finde das kompliziert, und wie man sieht, fordert das Thema  dazu heraus, sich erst einmal zu rechtfertigen, und damit wird es schnell etwas anstrengend und unentspannt.

Also kann Müllvermeidung unterhaltsam sein? Sehr sogar - wenn sich Milena Glimbovski des Themas annimmt! Dann wird es nämlich anekdotenreich, humorvoll, selbstironisch und undogmatisch. Und - vor allem das lernte ich an diesem Abend - es verlangt niemand, dass man von heute auf morgen sein ganzes Leben umkrempelt. Auch kleine Schritte zählen.

Milena Glimbovski im Gespräch mit Christian Neidhart

Ohne Wenn und Abfall geht genauso kleinschrittig vor und nimmt die Leserinnen bei der Hand: Systematisch werden alle Lebensbereiche auf Müllvermeidungspotential untersucht. Worauf kann man verzichten, was kann man ersetzen, was wäre eine verpackungsfreie Alternative? Zum Teil gibt es sogar konkrete Rezepte, zum Beispiel für Kosmetik oder Putzmittel. Ohne Wenn und Abfall befasst sich aber auch mit nachhaltigem Kleidungskaufverhalten, mit Müllreduktion im Büro und bei der Wohnungseinrichtung. Natürlich könnte man über jedes dieser Themen mindestens ein eigenes Buch schreiben, die Kapitel bilden aber einen guten Einstieg: Man wird für die Problematik sensibilisiert, versteht die Zusammenhänge, lernt, die richtigen Fragen zu stellen, und bekommt Tipps und Vorschläge, die sich tatsächlich sofort umsetzen lassen. Dass es so einfach ist, es besser zu machen, motiviert, weitere Veränderungen anzugehen.

Milena Glimbovski schreibt dabei so, wie sie bei der Buchpräsentation im Gespräch mit ihrem Lektor Christian Neidhart auch erzählt: Anschaulich und ironisch, unterhaltsam, mit eigenen Erfahrungen oder popkulturellen Referenzen gewürzt (über Fight Club freute ich mich besonders), niemals moralisierend oder besserwissend, denn sie berichtet auch von Rückschlägen und Irrtümern. Das liest sich flott weg, gleichzeitig steckt der Text voller Informationen, die man im Vorüberlesen aufnimmt, und die allerdings noch ein wenig nützlicher wären, gäbe es ein Register. Aber auch so motiviert das Buch sehr, die eigene Bequemlichkeit zu überwinden und Schritt für Schritt ein Leben mit weniger Müll und weniger Konsum umzusetzen, denn es überfordert den Leser nicht.

Eine Auswahl von Produkten des "Original unverpackt"-Supermarkts

Mir wurde vor allem deutlich, dass Perfektionismus in Sachen Müllvermeidung - nach dem Motto: entweder ganz oder gar nicht, und wenn ich es nicht richtig mache, kann ich es gleich lassen - gar nicht nötig ist, wenn man sich damit nur selbst blockiert. Jeder Müll, der gar nicht erst verursacht wird, ist ein guter Schritt, und ich muss nicht gleich zum dogmatischen Superöko mutieren, um heute einen ersten Schritt zu gehen. Und morgen dann gleich noch einen.


Milena Glimbovski: Ohne Wenn und Abfall. Wie ich dem Verpackungswahn entkam. 
Kiepenheuer&Witsch 2017, ISBN 978-3-462-05019-6
Informationen zum Buch auf der Seite des Verlags hier, dort auch Termine für weitere Lesungen

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Die irische-Fischer-Strickjacke: Seanair von Judith Brodnicki


Als ich in den Achtzigern stricken lernte, sprach man bei Strickpullovern mit kombinierten Zopf- und anderen plastischen Mustern von sogenannten "irischen" Pullovern. Sie waren gerade geschnitten, meistens übergroß mit überschnittenen Schultern und aus naturweißer, ziemlich dicker Wolle gestrickt. Mit der damals üblichen Karottenjeans und einer großzügig geschnittenen Jeansjacke kombiniert, entstand die Silhouette einer Tonne. Einer geschlechtslosen Tonne, denn diesen Look trugen Männer wie Frauen und sahen darin nahezu gleich aus. In den frühen Neunzigern wurde die Karottenjeans bei Gymnasiastinnen dann vielfach durch Leggings ersetzt - der Pullover sollte dann knapp über den Po reichen. Weniger wagemutige Mädchen (ich) trugen stattdessen Shorts oder abgeschnittene Jeans und eine blickdichte Strumpfhose. Dazu hohe Schnürstiefeletten aus braunem Wildleder, ähnlich wie Desert Boots. Noch häufiger als den irischen Pullover trug ich eine lange, geknöpfte Strickjacke mit V-Ausschnitt, aus hellgrau melierter Wolle, ebenfalls mit den typischen Rauten und Zöpfen. (Und ich hatte dunkelgrüne, geschnürte Wildlederpumps mit etwas Plateau - was würde ich dafür geben, wenn ich diese Schuhe noch einmal bekommen könnte!) Einen dunkelgrünen Pullover mit lauter Rauten gab es auch, und wenn ich mich richtig erinnere, hatte ich auch noch einen ähnlichen weinroten.


Ihr seht, mich verbindet eine längere Geschichte mit diesen Strickmustern und den Pullovern, die man früher undifferenziert als "irisch" bezeichnete. Seither habe ich zwar sehr viel über das Stricken dazugelernt, aber nie wieder einen ganzen Pullover oder eine ganze Jacke mit Zopfmustern angefertigt. Die untaillierten, kastigen Pulloverschnitte gerieten aus der Mode, und die Zopfmuster irgendwie auch, zumindest, wenn sie auf traditionell anmutende Weise mit Wabenmustern, Rauten und Perlmuster kombiniert waren.


Als es im Sommer an die Suche nach einem passenden Strickmuster für ein Geburtstagsgeschenk für Herrn Nahtzugabe ging, bekam ich aber unbändige Lust, nach Jahren mal wieder Zöpfe zu stricken - und zwar nicht einen Zopf hier und da, und den Rest glatt, sondern sozusagen Zöpfe satt und Muster überall.


Die Suche in Zeitschriften und im Netz nach einem Strickmuster, das meiner Vorstellung entsprach, geriet ziemlich kurz: Es gibt recht wenig Anleitungen für Herrenstrickjacken, und da ich mich schon für ein bestimmtes Garn (Drops Lima, Farbe 4305 dunkelblau) entschieden hatte, schrumpfte der Kreis der Kandidaten schnell zusammen. Übrig blieb die Jacke "Seanair" von Judith Brodnicki, 2012 bei knitty.com erschienen. Glücklicherweise schaute ich auch bei ravelry nach und entdeckte rechtzeitig die Korrekturen der Anleitung - es sind auch einige Fehler in der Reihe, in der das Muster angelegt wird. Davon abgesehen fand ich die Anleitung wirklich gut und ich danke einmal mehr der internationalen Strickcommunity, die solche ausgeklügelten Anleitungen kostenlos zur Verfügung stellt.


Die Jacke wird von unten nach oben ohne Nähte gestrickt. Die Zopfmuster hat man schnell im Kopf, nur das rechts-links-Rautenmuster an der Seite im unteren Teil fand ich ein bißchen anstrengend und war froh, als es zu breiten Rippen wechselte. Die Ärmel werden in die Armlöcher eingestrickt, ohne Armkugel, aber in der Achsel gibt es einen Zwickel, bei dem einige Maschen abgenommen werden, so dass der Schnitt doch etwas raffinierter ist als die T-förmigen Pullover der Achtziger. Die Ärmel waren viel zu lang, das ahnte ich schon, denn viele Strickerinnen berichteten bei ravelry davon. Ich kürzte sie daher gleich etwas, aber noch nicht genug, so dass ich die Ärmelabschlüsse nach dem Anprobieren um weitere 5 cm verkürzte.


Das Einnähen des Reißverschlusses war nicht so ein Drama, wie ich befürchtet hatte. Natürlich musste die fertig gestrickte Jacke ein bißchen ablagern, ehe sie für den Reißverschluss reif war. Da sich der Reißverschlusskauf bei Yavas, meinem Lieblingsladen für solche Kurzwaren, mit einer taiwanesischen Nudelsuppe im Lon Men's Noodle House auf der Kantstraße verbinden ließ, wurde sie pünktlich zu Beginn der Strickjackensaison fertig.


Den Reißverschluss nähte ich mit normalem Nähgarn mit der Hand ein (mit Rückstichen) und nähte anschließend ein schmales, schwarzes Schrägband von innen dagegen, das die Stiche der Rückstichnaht verdeckt. Oben verschwindet der Reißverschluss im doppelt gelegten Kragen, unten ist das Schrägband um das Reißverschlussende herumgefaltet.


Und ist "Seanair" nur eine "irische" Strickjacke? Nicht ganz. Ich habe mich nur ein wenig in die verwickelte Geschichte des Strickpullovers auf den Britischen Inseln vertieft. Die cremeweißen, grobgestrickten Pullover mit Zopfmustern in Längsrichtung, die bei uns in den späten 1980ern und frühen 1990ern so beliebt waren, sind Pullover von der Insel Aran, einer Insel vor der Westküste Irlands.

Die von einem Heimatforscher in die Welt gesetzte Legende, die Musterung der Aranpullover gehe auf keltische Zeiten zurück, wurde aber inzwischen widerlegt. Tatsächlich entwickelte sich dieser Pullovertyp wohl erst Ende des 19. Jahrhunderts, als es in Irland ein staatliches Programm gab, das zur Verbesserung der Lebensumstände in besonders armen Regionen beitragen sollte. Die Bewohner der Araninseln bekamn nicht nur Know-How in Sachen Fischerei vermittelt, auch das Stricken von Pullovern nach Vorbild der Ganseys oder Guernseys - plastisch gemusterte Fischerpullover von der Insel Kanalinsel Guernsey - wurde angeregt. Die Bewohner Arans verwendeten die lokale, gröbere Wolle zum Stricken, beließen sie in der Naturfarbe, und gaben den Mustern ihren eigenen Twist. Während klassische Ganseys aus dunkelblauer, feinerer Wolle vor allem im oberen Teil gemustert sind und Unterarme und unterer Teil des Rumpfes glatt bleiben, verlaufen die Muster bei Aranpullovern über die ganze Länge von Vorder- und Rückenteil, und ein Wabenmuster als Mittelstreifen scheint typisch zu sein. Der Pullovertypus des Gansey verbreitete sich mit der Zeit in allen Küstenorten Großbritanniens und Irlands, wobei jede Region charakteristische Muster und Musterzusammenstellungen entwickelte.

Wohl doch nur Ornamente und nichts Gestricktes

So viel in Kürze - ich würde mich gerne noch ausgiebiger mit dieser Stricktradition beschäftigen. Wie bei den deutschen Trachten, die größtenteils auch erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts entstanden, sind die Fischerpullover wohl ebenso ein Produkt dieser Zeit, die von kulturell begründeter Identitätspolitik geradezu besessen war. Was auch immer David im "Book of Kells" aus dem 9. Jahrhundert trägt, es handelt sich wohl nicht um "die erste bildliche Darstellung von Gestricktem". Davon abgesehen habe ich immer noch Lust, Zopfmuster zu stricken, besitze von 500g Drops Lima in rubinrot im Wollvorrat und denke über einen Pullover für mich nach.   

 

tl, dr oder: die Fakten zur Strickjacke


Anleitung: Seanair von Judith Brodnicki via knitty.com
unbedingt die Korrekturen bei ravelry beachten! 

Garn und Nadeln: Drops Lima, 100 m Lauflänge auf 50 Gramm - knapp 800 Gramm verwendet, verstrickt mit Nadeln Nr. 4, für die Bündchen Stärke 3,5.

Gestrickte Größe: M, Ärmel ca. 8 cm kürzer als in der Anleitung angegeben, Abnahmen im Ärmel enger gesetzt

Dienstag, 10. Oktober 2017

Mehr loben als lästern: Burdastyle 10/2017

Kurz vor dem Urlaub kaufte ich die Burdastyle-Oktoberausgabe, blätterte kurz durch, dachte: Ein gutes Heft! und legte sie beiseite. Jetzt beim Aufräumen kam mir die Zeitschrift wieder in die Hände und ich blätterte erneut, gespannt darauf, ob sich mein schnell gefasster Eindruck bestätigen würde. Tat er! Schon auf der ersten Seite grüßt, anstelle des üblichen Grußworts der Chefredakteure, ein Gruppenfoto der gesamten BurdaStyle-Redaktion. So ein Heft ist eine Teamleistung, und mir gefällt, dass das deutlich wird.

Meine Favoriten aus Heft 10/2017:


Mantel 120, Seite 50 - Designerschnitt von Mykke Hofmann



Mit einem neu aufgelegten Vintageschnitt hatte ich nach der Ankündigung im vorigen Heft gerechnet, einen Schnitt von einem jungen Designerinnenduo finde ich aber sogar noch besser. Diesen besonders, denn ich nähe sehr gerne Mäntel und die unendlichen Möglichkeiten, verschiedene Stoffe bei diesem Schnitt zu kombinieren, finde ich sehr reizvoll: Ton in Ton zum Beispiel, oder lauter verschiedene Tweedstoffe. Zugegebenermaßen ist das eher ein Schnitt zum Träumen: In nächster Zeit werde ich ihn sicher nicht nähen - aber Zeitschriften kauft man ja, um zu träumen, ich zumindest. Und wenn sich Designer- und Vintageschnitt nun im Heft abwechseln sollten, bin ich vollauf zufrieden!

Volantbluse 111 (S. 47 und 18)



Vom Träumen zu aktuellen Wünschen: Diese Ärmelform gefällt mir am gerade genähten Oberteil aus einem alten Hemd (111 Burdastyle 2/2014) sehr gut, der Schnitt passt wegen dem sehr tiefen Armloch aber nur mäßig. Diese Version mit eingesetzten Ärmeln erscheint mir passender, allerdings würde ich den Schnitt erstmal nur einlagig nähen. Rotgrundige Viskose mit großen Hortensienblüten liegt schon bereit.

"Must-Haves" Seite 26 bis 32



Hier gefällt mir die ganze Fotostrecke, denn wie oft sieht man im Modezeitschriften schon eine Frau mit Brille, die nicht mehr 19 ist? Auch wenn Zeitschriften (siehe oben) zum Träumen verführen sollen, finde ich es trotzem schön, wenn sich die Zeitschrift ab und an meiner Lebenswirklichkeit (nicht mehr 19; Brille) annähert. (Von den beiden Outfits oben würde ich witzigerweise aber eher das rechte tragen - wenn auch mit Strumpfhose - das von dem "jüngeren" Model vorgeführt wird. Aber auch das Kleid 103 mag ich).

Meine Flops aus Heft 10/2017:


Die Überschrift ist, zugegeben, reißerisch, denn echte Schnitt-Flops habe ich im Heft nicht gefunden. Aber einen schönen Beleg dafür, dass Stoffwahl und Styling oft auf den ersten Blick für "gefällt" oder "gefällt nicht" entscheidend sind.

"Ladylike"



Die Fotostrecke auf den Seiten 14 bis 23 trifft einfach überhaupt nicht meinen Geschmack kombiniert zielsicher Dinge, die ich nicht mag: Brauntöne und Leomuster, beige und schwarz, und ich kann nicht mal spießige Henkelhandtaschen für meine Abneigung verantwortlich machen - die kommen erst im Anschluss auf Seite 24/25. (Ich war überrascht, dort zu erfahren, dass Kunstlederhandtaschen heutzutage 200 € kosten können. Eine Kollegin im Stoffladen klärte mich auf: Das seien vegane Handtaschen, und in diesem Kontext sei Plastik eben gut und teuer.) Aber ich wollte nicht über Handtaschen lästern, sondern über die Schnitte, und da muss ich zugeben, dass sie mir ganz gut gefallen, wenn ich über die Stoffwahl hinwegsehe - es sind ja zum Teil die gleichen, die auch als "Must-Haves" gezeigt werden.

Nur das Poncho-Überwurf-Dings mit Knoten auf Seite 20 finde ich uneingeschränkt schrecklich, vermutlich weil es mich an eine sich für besonders künstlerisch haltende Kunstlehrerin aus der zehnten Klasse erinnert, das ist ein persönliches Trauma. Und das Kleid daneben ist mal wieder so eine total verkrampfte asymmetrisch-mit-Teilungsnähten-und-Paspel-und-Wickeleffekt-Nummer, die ich in der Art noch nie mochte, vor allem wenn sie einen asymmetrischen, und daher wie verrutscht wirkenden Aussschnitt hat und wie hier aus einem umdefinierbaren grau-braunen Stoff genäht ist und noch dazu schrecklich schlecht sitzt.

 Redaktionelle Waschmittelwerbung Seite 90/91



Bei der letzten Burda-Besprechung hätte ich nicht lobend erwähnen sollen, dass es neuerdings keine Haushaltstipps mehr in Heft gibt, ja einen Stopp der "schleichenden Hauswirtschaftisierung" des Hefts, meinte ich festzustellen. Nun ja. Ich nehme alles zurück. Tun wir einfach so, als wären Seite 90/91 nicht passiert? Es ist hoffentlich nur ein einmaliger Ausrutscher!

Alle Modelle des Hefts finden sich auch hier im Überblick. Da sind aus meiner Sicht viele brauchbare Sachen dabei - auch Bluse 116, Rock 108/109 und Mantel 102 gefallen mir, so einen Jackenschnitt wie 118 kann man immer brauchen und die großen Größen (121-127) sind schön vielfältig dieses Mal. Am 20. 9. ist außerdem ein Sonderheft "Burda plus" (Größe 44-54) erschienen.

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Balenciaga: Shaping Fashion in London (noch bis 18. 2. 2018)


Nach ein paar Tagen aus London wieder zuhause, habe ich meinen Bilderwust durchsortiert und kann euch ein paar Fotos von der Balenciaga-Ausstellung im Victoria&Albert-Museum zeigen. Es ist ja immer ein bißchen gemein, anderen mit so einer Modeaussstellung ganz weit weg den Mund wässrig zu machen, aber immerhin läuft diese noch bis zum 18. Februar nächsten Jahres, so dass zumindest theoretisch noch genügend Zeit wäre, eine Reise nach London zu planen.


Christóbal Balenciaga also und sein Einfluss auf die nachfolgenden Modeschöpfer-Generationen wird in einer Sonderausstellung im V&A gezeigt. Der erste Teil der Ausstellung konzentriert sich auf die Jahre von 1937 bis 1968, auf die Jahre, in denen das Modeunternehmen Balenciaga in Paris bestand.

Christóbal Balenciaga, Jahrgang 1895, kam jedoch nicht aus dem Nichts: Er hatte in Spanien eine Schneiderlehre absolviert und dort bereits ein Modehaus gegründet, ehe er 1936 nach Frankreich emigierte. Seine Arbeitsweise als Designer ist daher vom Handwerklichen geprägt: Er beherrschte sowohl die Schnittkonstruktion auf dem Papier, als auch das Drapieren, und da er sich auch mit Verarbeitungstechniken bestens auskannte, muss er ein entnervend akribischer Chef gewesen sein.

Das Armloch, die Ärmel und die Schultern hielt er für den guten Sitz des Kleidungsstücks für entscheidend - und jede Selbermacherin, die sich schon mal genauer mit Passform befasst hat, wird ihm zustimmen. In der Ausstellung ist ein kurzer Filmschnipsel in Schwarzweiß zu sehen, in dem Balenciaga kurz vor einer Modenschau die Kleidungsstücke kontrolliert und bei einem Model einen Ärmel aus dem Armloch reißt. Davon abgesehen tritt die Person Balenciaga vollkommen hinter das Label und die Kleidungsstücke zurück: Er gab keine Interviews und trat auch nicht öffentlich auf, seine Kollektionen zeigte er aus Angst vor Kopisten nur seinen Kundinnen und Einkäufern der großen Luxuskaufhäuser, unter Ausschlus der Presse.    

Mohairpelz, den Ascher Textiles für Balenciaga entwickelte

Ich war sehr begeistert davon, wie die Ausstellung das Werk Balenciagas aufschlüsselt. Die Kleider sind einerseits in Vitrinen an Schneiderpuppen zu sehen, dazu gibt es fast immer ein Foto des Kleides an einer Person, entweder bei einer Kollektionspräsentation oder ein Modefoto aus einer Zeitschrift, und drittens die Modellzeichnung mit angehefteter Stoffprobe, man sieht die Kleider also quasi  aus verschiedenen Perspektiven.

In dieser Vitrine geht es um den Einsatz von Stickereien
Geradezu sensationell sind die Röntgenbilder, die Skelett und Innereien der Kleider freilegen: Die voluminösen Abendroben bauen immer, auch wenn sie körperfern wirken, auf einer Corsage auf und enthalten stützende Strukturen aus Flachstahl oder Drähten - in einem Fall sieht man im Röntgenbild sogar zwei Stecknadeln, die beim Säumen vergessen wurden.

Das Ballkleid und sein Röntgenbild
Die Konstruktion einiger Kleider wird dazu in kurzen Videos nachvollzogen: In einer Animation fügen sich die flachen Schnittteile zu einem dreidimensionalen Kleid zusammen, ganz anschaulich, auch für Besucherinnen, die sich mit Nähen und Schnittkonstruktion bisher noch nie beschäftigt haben. Das Entstehen eines Kleides durch Drapieren oder das Verwenden eines Schnittmusters wird ebenso gezeigt.

Eine weitere Vitrine widmet sich Balencias Nebenlinie Eisa. Unter diesem Namen ließ er in Spanien, und daher mit geringeren Lohnkosten als in Paris, Kleiderkollektionen fertigen, auch luxuriös, auch aus besten Materialien, aber nicht ganz so kostspielig und vor allem nicht so modern wie die Kleider seiner Hauptlinie. Eisa ist sozusagen die etwas biedere, konventionellere, aber niedliche Schwester von Balenciaga, mit typischen 50er-Jahre-Silhouetten.



Beeindruckend: Die Schuhauswahl von Elisabeth Parke Firestone, einer guten Eisa-Kundin, die sich zu jedem Outfit Schuhe in der passenden Farbe anfertigen ließ. Und die ansonsten sehr genaue Vorstellungen hatte, wie und aus welchem Stoff die Kleider geschneidert und wie die Entwürfe für sie geändert werden sollen und die dies per Brief mit der Schnittdirektrice von Eisa besprach. Balenciaga bekam davon glücklicherweise nichts mit, denn so, wie man ihn in der Ausstellung kennenlernt, wäre er von solchem Herumgepfusche nicht begeistert gewesen. Es reichte sicher schon, dass sich Rita Hayworth eine riesige Blütenborte auf ein ansonsten wunderbar schlichtes, aber raffiniertes, extravagantes schwarzes Cape applizieren ließ!



In der zweiten Etage geht es dann um den Einfluss Balenciagas auf andere Designer, angefangen mit seinem Schüler Givenchy, bis hin zu Demna Gvasalia, dem derzeitigen Chefdesigner der Marke Balenciaga. In der Gegenüberstellung werden die Inspirationen deutlich - die Jacke von 2006 im Bild oben, entworfen von Nicolas Ghesquière, der zeitweilig ebenfalls Kreativchef von Balenciaga war, wirkt fast wie eine Kopie der alten Designs. (Das rosa-weiße Puschelkleid im Hintergrund ist auch berühmt, ich habe aber nicht mehr parat, von wem das war).

"Shaping Fashion" ist eine perfekt aufbereitete, unterhaltsame wie lehrreiche Ausstellung, die ich sehr empfehlen kann. Gleich neben diesem Ausstellungsbereich schließt sich eine Mode-Dauerausstellung an, die ebenfalls sehenswert ist. Für diese Dauerausstellung gilt der freie Eintritt des V&A, für Balenciaga hatte ich vorher Karten über die Webseite bestellt, was letztlich nicht nötig gewesen wäre, an einem Freitag um 11.00 Uhr wäre man auch so ohne Wartezeit in die Ausstellung gekommen, aber da es wenig gibt, was ich so hasse wie Anstehen, würde ich auch beim nächsten Mal wieder Karten im Voraus kaufen. Für Daheimbleibende: Auf der Ausstellungswebseite (runterscrollen) kann man einige der Filme aus der Ausstellung ansehen.

Nach der Ausstellung taumelten wir aus dem Museum heraus und aßen vor einem Gartenhäuschen im Hydepark nicht weiter erwähnenswertes Gebäck und machten eine ausgedehnte Wanderung zur U-Bahn Knightsbridge, an Harrods vorbei und über die stillen Straßen mit sicher sehr, sehr teuren und meistens unbewohnt erscheinenden Häusern bis zum Sloane Square. Am nächsten Tag gings zu Anna Sui ins Fashion and Textile Museum, darüber dann mehr beim nächsten Mal!

Mittwoch, 20. September 2017

Impressionen vom Lillestoff-Festival 2017


Vor zwei Tagen kam ich vom Lillestoff-Festival zurück, wo ich insgesamt vier Upcycling-Workshops gegeben hatte. Ehe die Eindrücke in Vergessenheit geraten, möchte ich wenigstens die paar Handyfotos zeigen, die ich während dieser irrsinnigen Nähnerd-Veranstaltung gemacht habe. Wer das Festival nicht kennt: Bei dem Event, das von dem Langenhagener Stoffhersteller Lillestoff veranstaltet wird, treffen sich Nähende von weit her, um an einem Wochenende zwei Tage in einer Messehalle in Langenhagen zu nähen, zu plaudern, Stoff zu kaufen und Workshops zu besuchen.


Dieses Jahr kamen noch mehr Besucherinnen als im letzten Jahr in den Genuss, zwei Tage ungestört durchzunähen - irgendwo hörte ich von 1000 Besucherinnen am Tag, und in der unteren Halle, wo die Nähtische stehen, war kein Durchkommen mehr. In der dritten Etage, der Workshopetage, war es glücklicherweise luftiger und ruhiger. Ich bin auch nicht richtig dazu gekommen, mich unten umzusehen, dazu waren meine Pausen zu kurz.


Wahrscheinlich gehört es sich nicht, einfach fremde Nähmaschinen zu fotografieren (auch wenn eine Nähmaschine kein Persönlichkeitsrecht hat) - aber diese fand ich so klasse, dass ich beim Gehen am Samstagabend ein Bild machen musste. Eine gelbe Privileg Topstar electronic! Ich habe akuten Nähmaschinenneid.


Für die Oberhemden-Refashion-Workshops am Samstag und Sonntag Vormittag hatte ich einige Beispiele mitgebracht - und genügend Material zum Zerschnippeln. Diese Workshops sind für mich immer ziemlich anspruchsvoll und aufregend, denn jede Teilnehmerin näht ein anderes Projekt, noch dazu weiß ich vorher nicht, was für Material die Teilnehmerinnen mitbringen und wie sich die Ideen entwickeln. Das war auch dieses Mal wieder interessant und spannend, und die Teilnehmerinnen waren eine tolle Truppe, die wagemutig losnähten, sich gegenseitig berieten und in viereinhalb Stunden fast alle ein fertiges oder bis-auf-den-Saum-fertiges Teil mit nachhause nehmen konnten.


Am Sonntag habe ich wenigstens an zwei Nachher-Bilder gedacht: Britta (@by_bertitroete bei Instagram) hatte ein weinrotes Hemd, eine knielange graue Sweathose, eine dunkelgraue Hose aus einem leichten Stoff und einen groben Plan für ein Kleid. Die Hosenbeine der im Schnitt auseinandergeschnittenen Sweathose ergaben geradezu perfekte Ärmel. Der Übergang vom Hemd zum Kleid mit einer Raglannaht wurde nach und nach durch Ausprobieren ermittelt - im Rücken gibt es einen dreieckigen Cutout zwischen den Ärmelteilen. Für den Abschluss am Hals probierten wir eine Menge aus: Aufgesteppte Manschetten am Ausschnitt, Stoffstreifen aus dem Hemdärmeln als Schalkragen, aber letztlich war die schlichteste Lösung, ein breites Bündchen, die beste.


Julia nahm sich ein experimentelles Projekt aus dem Buch "Redesign" vor: Ein großes Hemd wird dabei so lange in Falten gelegt, die festgesteppt werden, bis es der neuen Trägerin passt. Im Buch entsteht so eine asymmetrische Bluse (siehe Bild unten), bei Julia entwickelte sich die Sache eher in Richtung Schößchenjacke, auch wenn es zwischendurch nach gar nichts aussah. Nach einem kleinen Durchhänger vor dem Mittagessen brachte dann der V-Ausschnitt den Durchbruch. Leider lässt sich die interessante, strukturierte Oberfläche der Jacke durch ein Handyfoto nicht besonders gut wiedergeben - die Jacke ist wirklich etwas besonderes geworden, und ich bin froh, dass Julia sich an dieses Projekt gewagt hat. Es hätte nach stundenlanger Herumnäherei schließlich auch nur ein seltsames Etwas herauskommen können. Aber das ist das Schöne an Upcyclingprojekten: Man kann Dinge ausprobieren, die man sonst nicht nähen würde, weil das Material schon vorhanden ist und man wenig kaputtmachen kann.  


Die Bluse mit Rüschenärmeln war ja auch so ein Experiment - ich wusste vorher nicht, ob ich diese Ärmel mögen würde - und ich trug sie am ersten Festivaltag. Fazit: ich mag die Ärmelrüschen sehr, bin aber kein Fan der Raglankonstruktion des Schnitts (111 aus Burdastyle 2/2014), weil die Bluse und damit auch die Raglanpartie ziemlich weit ist und die Ärmel daher nicht besonders sitzen. Falls mal wieder das Bedürfnis nach Rüschenärmeln aufkommt, würde ich einen gut sitzenden Oberteilschnitt mit eingesetzten Ämreln entsprechend abwandeln.

Foto: Frau Masulzke

Und nicht zuletzt: Es ist auch immer wieder schön, bei so einem Festival Blog-Bekannte zu treffen, die weit weg wohnen - Gruppenbild mit Frau Crafteln Meike, der Komplizin Dana und rosa p. Rike, wir alle etwas übernächtigt, aber gut gelaunt vom vorherigen Abend, als wir in Klassenfahrtmanier bis zu einer Uhrzeit strickten, die ich lieber nicht zur Kenntnis genommen habe.